Überbetriebliche Ausbildung in umwelttechnischen Berufen

Bildungsverein der Ver- und Entsorgungsunternehmen Thüringen e. V. (BVE)

Der seit 1984 staatlich anerkannte umwelttechnische Beruf des Ver- und Entsorgers (mit den Fachrichtungen Wasserversorgung, Abwasser, Abfall) wurde 2002 durch vier umwelttechnische Ausbildungsberufe ersetzt:

Berufe in der Wasserwirtschaft (Quelle: BVE Thüringen e. V.)
  • Fachkraft für Wasserversorgungstechnik
  • Fachkraft für Abwassertechnik
  • Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft
  • Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

Da die Ausbildungsinhalte dieser Berufe allerdings beträchtliche Überschneidungen aufweisen, wurden gemeinsame Kernqualifikationen formuliert, die jeweils während der ersten 15 Monate der betrieblichen und während der ersten 18 Monate der schulischen Ausbildung vermittelt werden. Die Zwischenprüfung für die vier Berufe ist identisch.

In diesem Fall ist es vor allem für kleine und mittelständische Ausbildungsbetriebe für einen oder mehrere dieser Ausbildungsberufe sinnvoll, als Mitgliedsunternehmen mit einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte zusammenzuarbeiten.
Aufgrund der hohen Anzahl an engagierten Mitgliedsunternehmen bieten sie sehr gute Rahmenbedingungen (Lehrkräfte Unterrichts- und Forschungsmaterialien), um Berufsschülern zunächst einheitliche, später spezifische Anforderungen für die jeweiligen Berufsbilder zu vermitteln.

Entstehung des überbetrieblichen Bildungsvereins

Eine solche überbetriebliche Ausbildungsstätte bietet der Bildungsverein der Ver- und Entsorgungsunternehmen Thüringen e. V. (BVE). Dieser wurde im Jahr 1994 gegründet und übernahm als Träger die Ausbildungsstätte in Weimar. Heute verfügt der Verein über 21 Mitgliedsunternehmen und bildet den Nachwuchs für 33 Betriebe in der Wasserbranche aus.

Kooperierende Ausbildungsbetriebe entsenden Ihre Auszubildenden der umwelttechnischen Berufe zur überbetrieblichen Ausbildungsstätte, wo sie in den ersten 18 Monaten (Anlagenmechaniker in den ersten 24 Monaten) ihre Kernqualifikationen und teilweise Fachqualifikationen erhalten. Berufspraxis und -schule wechseln sich im Blockunterricht ab. Nach dem ersten Teil der Zwischen- bzw. Abschlussprüfung wird die Fachqualifikation im jeweiligen Betrieb fortgesetzt. Ein Prüfungsausschuss des Thüringer Landesverwaltungsamtes führt die Prüfungen der umwelttechnischen Berufe durch. Anlagenmechaniker unterziehen sich der PAL-Prüfung der drei Handelskammern Thüringens (PAL = Prüfungs- und Lernentwicklungsstelle).

Gewährleistung hoher Ausbildungsstandards

Der Verein führt zweimal jährlich Ausbildertreffs durch, an denen Ausbilder aus den Betrieben, der überbetrieblichen Ausbildungsstätte und Lehrer des Staatlichen Berufsbildungszentrums Weimar teilnehmen. In diesem Rahmen werden jeweilige Leistungs- und Bildungsstandards und -entwicklungen ausgewertet und Optimierungsmaßnahmen für das Zusammenwirken der Ausbildenden sowie für Schule und Praxis entwickelt. Zudem dienen die Ausbildertreffs als Plattform für bildungspolitische und pädagogische Referate und Diskussionen. Durch die Teilnahme an mindestens sechs dieser Veranstaltungen erbringen Ausbilder zusätzlich den Nachweis, den Wissensstand der Ausbildereignungsprüfung auf aktuellem Niveau zu halten.

Im Jahr 2002 errichtete der Verein eine neue Ausbildungsstätte, in die zwischen 2012 und 2015 zusätzlich ca. 450.000 Euro investiert wurden. Mittlerweile umfasst die Ausbildungsstätte unter anderem

überbetriebliche Ausbildung (Quelle: BVE Thüringen e. V.)
  • ein Fachkabinett für Pumpen- und Armaturentechnik
  • ein Computerkabinett für Zeichnen mit CAD
  • ein chemisches Labor
  • eine 1500-m2-Halle mit unterschiedlichen Ausbildungsabteilungen
  • eine Trainingsanlage zum Einsteigen in und zum Retten aus Schächten

wie auch zahlreiche Unterweisungs- und Arbeitsräume, die für die Vermittlung und Vertiefung der Fach- sowie Kernqualifikationen genutzt werden können. Einzelne Unternehmen wären weder in der Lage, diese Voraussetzungen zu schaffen, noch sie zu halten.
Für die Ausbildungsstätte sind sechs Ausbilder in Festanstellung tätig, die auf Basis des Ausbildungsplans die Entwicklung der Handlungskompetenzen der Auszubildenden unterstützen und sichern. Dabei ermöglichen die Ausbilder eine Wissensvermittlung durch möglichst eigenständiges Forschen und Lernen.

Der ganze Text Die überbetriebliche Ausbildung in umwelttechnischen Berufen beim BVE Thüringen e. V., erschienen in der DVGW energie | wasser-praxis 01/2016

Weitere Informationen über den Bildungsverein der Ver- und Entsorgungsunternehmen Thüringen e. V. (BVE)